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Was die Blaue Plakette für die Baubranche bedeutet?

Seit einigen Monaten ist das Thema Umweltzone wieder präsent in der öffentlichen Diskussion. Mit den Skandalen um manipulierte Abgaswerte in Dieselfahrzeugen und den Nachrichten über die immer stärker werdende Belastung von Stickoxiden in deutschen Großstädten ist auch die Frage aufgekommen, inwieweit Kraftfahrzeuge jeglicher Art weiterhin Zutritt zu allen Bereichen der Stadt erhalten sollten. Vor allem Besitzer von Baufahrzeugen befürchten, dass die Einführung der sogenannten Blauen Plakette ihre Geschäfte erheblich beeinträchtigt. Doch welche Folgen kann dies für die Baubranche haben?

Was ist die Blaue Plakette?

Aktuell sind fast alle größeren Städte in Deutschland von erhöhten Belastungen betroffen. Besonders Großstädte wie Berlin, Stuttgart oder München sind mit ihren viel zu hohen Werten zu einem ernstzunehmenden Gesundheitsrisiko geworden. Die Blaue Plakette soll als Erweiterung der bisherigen Umweltzonen besonders stark belastete Bereiche in Städten vor steigenden Stickoxid-Werten schützen. In diesen Bereichen dürften dann nur noch Dieselfahrzeuge fahren, die einen Wert von 60 mg/km an Stickoxidausstoß nicht überschreiten oder Benziner, die entweder Euro-3 oder Euro-6b (abhängig von der Direkteinspritzung) besitzen. Zum Vergleich: Ein Audi Q3 der Klasse Euro-5 verbraucht pro Kilometer 180 mg.

Die Blaue Plakette ist als Korrektiv gedacht, das älteren Fahrzeugen den Zutritt zu sensiblen Bereichen in der Innenstadt verwehrt, weil sie den vorgegebenen Grenzwert nicht einhalten. Die Debatte um die Blaue Plakette hat bei vielen Autofahrern Verunsicherung hervorgerufen, weil mit ihr auch eine Diskussion um Fahrverbote in deutschen Innenstädten immer wahrscheinlicher wird. Die Richtwerte, an denen sich die Plakette orientiert, werden derzeit nur von Fahrzeugen der Gruppe Euro-6 erfüllt. Zu ihnen zählen nur die neuesten Fahrzeuge auf dem Markt und auch diese können die Werte oft nur auf dem Papier einhalten. Für alle Autos der Gruppe Euro-5 oder älter würde die Plakette das Aus in den gekennzeichneten Zonen bedeuten. Zu welcher Gruppe ein Fahrzeug gehört, ist durch Richtwerte festgeschrieben.

Welchen Einfluss hat die Regelung auf Baufahrzeuge?

Für Baufahrzeuge stellt die Blaue Plakette eine große Herausforderung dar. Gerade wenn sie in großer Anzahl auf Baustellen sind, tragen zu einer erheblichen Belastung von Stickoxiden bei. Obwohl sie bei den Gesamtemissionen Deutschlands nur 1,3 % ausmachen, sorgen sie auf lokaler Ebene für Immissionspitzen. Oftmals sorgt das hohe Alter der zum Einsatz kommenden Fahrzeuge für die Ausschläge bei der Stickoxidbelastung. Vor allem die eher rückschrittliche Gesetzgebung beim Thema Abgasnormen sorgte dafür, dass über Jahre hinweg kein Bedürfnis für die Verbesserung der Werte erkannt wurde.

Emissionsverteilung in Deutschland
Der Anteil an den Gesamtemissionen ist zwar klein, aber auf lokaler Ebene sorgen Baufahrzeuge für eine starke Belastung

 

Wenn die Hersteller, Vermieter und Besitzer von Baufahrzeugen keine Lösung auf die Frage zur Verringerung der Abgaswerte finden, kann das ein noch viel größeres Problem werden. Das Umweltbundesamt schlägt auf ihrer Internetseite zwei mögliche Maßnahmen vor, die Städte in einem solchen Fall ergreifen könnten. Zum einen könnte eine – zumindest bevorzugte – Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen an Unternehmen mit einem emissionsarmen Maschinenfuhrpark gekoppelt sein. Zum anderen könnte durch entsprechende Vorschriften innerhalb der Umweltzone der Einsatz von Maschinen, die die Vorgaben nicht erfüllen, generell ausgeschlossen werden. Die Maßnahmen sollen die Hersteller und Besitzer dazu bewegen, stärker auf die Emissionswerte ihrer Maschinen zu achten und nach umweltschonenden Lösungsmöglichkeiten zu suchen. 

Was können Fuhrparkleiter unternehmen?

Eine radikale aber auch kostenintensive Lösung ist der Austausch des veralteten Maschinenparks zugunsten einer modernen, emissionsarmen Baufahrzeugsflotte. Immer mehr Hersteller setzen zunehmend auf sparsame und effiziente Antriebstechniken, die auch die Vorgaben der Blauen Plakette erfüllen würden. Gegen diese Lösung sprechen aber vor allem die viel zu hohen Kosten, die mit dem Austausch mehrerer Maschinen verbunden sind. Auf der anderen Seite verringert sich durch diese Lösung auch der Verbrauch der Maschinen und die damit verbundenen finanziellen Aufwände. Auf lange Sicht sind die Ausgaben für die Neuanschaffung schnell amortisiert.

Eine kostengünstigere Alternative ist die Nachrüstung sogenannter Partikelfilter. Diese verhindern, dass eine zu große Menge an Stickoxiden in die Luft gelangt, indem die Abgase vorab gefiltert werden. Die Kosten liegen hier je nach Motorenstärke zwischen 2.000 und 12.000 Euro. Klar ist aber auch, dass der Einsatz von Partikelfiltern nur eine temporäre Lösung für das Problem sein kann, denn an der schlechten Gesamtsituation von zu hohen Stickoxidwerten ändern Filter nur wenig. Langfristig ist eine Verjüngung des Maschinenparks unausweichlich, um auch potenziell neue Regulierungen erfüllen zu können. Auch ein Umstieg auf Elektrofahrzeuge – wie der 2016 auf der bauma mit dem Innovationspreis ausgezeichnete Kramer 5055e Radlader – wäre denkbar. Höhere Investitionskosten werden durch geringere Unterhaltskosten schnell amortisiert. Vor allem der Preisvorteil beim Strom gegenüber des Dieselkraftstoffs spielt hier eine Rolle. 

Die Blaue Plakette rückt ein Thema in den Fokus, das in der Baubranche viel zu lange nur nebensächlich angegangen wurde. Während bei normalen Kraftfahrzeugen immer weiter an der Reduzierung von Abgasen gearbeitet wurde und auch politische Entscheidungen mit dem Hauptaugenmerk auf Pkw ihren Weg in Gesetze und Regulierungen fanden, blieben Baufahrzeuge lange unberührt. Die Debatte um die Blaue Plakette hat dies geändert. Ein Umdenken muss stattfinden, ob die Blaue Plakette kommt oder nicht. 

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