Mit Recyclingbeton die Umwelt schonen und gleichzeitig Kosten einsparen

Wir leben in einer Zeit, in der knapper werdende Ressourcen ein immer effizienteres Management von endlichen Rohstoffen notwendig machen. Gerade in der Bauwirtschaft, die täglich einen immensen Anteil an Materialen beansprucht, gewinnt das Thema Ressourceneffizienz an großer Bedeutung. Und dies nicht nur aus Kostengründen allein.  Auch der Kunde, also zum Beispiel Endabnehmer eines Gebäudes, wünscht sich zunehmend, in nachhaltige und energieeffiziente Bauten investieren zu können. Besonders das Wiederverwerten von Rohstoffen bietet dabei eine einfache und günstige Möglichkeit, “grün” zu bauen. Während beispielsweise bereits im Bereich des Baustahls problemlos gebrauchtes Material wieder für die erneute Nutzung eingeschmolzen wird, scheint das Recyclen von einem so wichtigen aber endlichen Material wie Beton noch Neuland für viele Bauunternehmen zu sein. Gründe dafür sind unter anderem, dass die Aufklärung über die Verwendung noch nicht sehr fortgeschritten ist und bei den ersten Projekten mit Recyclingbeton zunächst Geld in die Hand genommen werden muss. Dieser Beitrag soll nun jedoch über die Merkmale und Nutzungsmöglichkeiten des mineralischen Recyclingbetons aufklären und die Mehrwerte verdeutlichen.

Was ist Recyclingbeton und wie wird er gewonnen?

Das sogenannte RC-Beton beschreibt die Wiederverwertung von altem, bereits erhärtetem Festbeton und besteht zu etwa einem Viertel aus gemischtem Mauerwerkbruch oder Betongranulat. Der Naturstein oder natürlich entstandene Kies wird also teilweise durch eine recyclete Gesteinskörnung ersetzt. Der Beton wird dabei während Abbrucharbeiten von Bauwerken aufbereitet, indem der Bauschutt zerkleinert und in einzelne Kornsegmente geteilt wird. Moderne Trennmaschinen (Siehe Abbildung) ermöglichen zur Unterstützung bereits heute eine einfache Separation zwischen unterschiedlichsten Materialien wie Asphalt, Holz, Kunststoff, Ziegel und eben Beton während des Abbruchprozesses.Betonrecyclinganlage Re Series Der herausgefilterte Betonsplitt enthält dabei meist noch immer einen kleinen Zementsteinanteil, der die Eigenschaften des Rohstoffes beeinflussen kann. So müssen bei der Betonmischung die Anteile der Gesteinskörnungen, des Zements, des Wassers und der Zusatzmittel exakt aufeinander abgestimmt und in einer vorgefertigten Reihenfolge zusammen gemischt werden. Enthält der Beton bereits Zementanteile, so muss dies im Mischungsverhältnis beachtet werden. Dennoch kann das RC-Beton für die Herstellung von Frischbeton “ohne den Verlust von Qualität” genutzt werden, wie Dr. Sylvia Stürmer, Professorin für Baustofftechnologie, Bauphysik & Bauwerkserhaltung an der HTWG in Konstanz bestätigt.

Die Besonderheiten des Materials

Trotz der erheblichen Vorteile von RC-Beton bringt der Rohstoff auch einige Eigenschaften mit sich, die vom klassischen Beton abweichen. Nur wer sich derer bewusst ist, kann auch langfristig von der Wiederverwertung profitieren und nachhaltig bauen. Durch den Anteil des Zementsteins kann beispielsweise die Festigkeit, die Verarbeitbarkeit oder die Dauerhaftigkeit des Beton beeinflusst werden. Ebenso hat das recycelte Material bei der Verwertung im Frischbeton einen minimal höheren Wasseranspruch, was bei der Herstellung und dem Mischungsentwurf zu beachten ist. Grund für diesen größeren Wasserbedarf ist die leicht erhöhte Porosität der Gesteinskörnungen, die ebenfalls die Zugabe eines Fließmittels erfordert, um ein vollständiges Mischen sowie sauberes Vergießen zu gewährleisten. Je nach Qualität der Gesteinskörnungen können für eine verbesserte Festigkeit und Dichte zusätzlich Pulver und Staub verwendet werden.

Die weitere Behandlung erfolgt genauso wie bei klassischem Beton. Als Festbeton hat die recycelte Variante dann nahezu die gleichen Eigenschaften wie die herkömmliche Option.

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Quelle: beton.org

Die Vorteile des RC-Betons

Der wohl wichtigste Vorteil der Nutzung von Recyclingbeton ist der positive Beitrag zu Umweltschutzmaßnahmen, indem eine Kreislaufwirtschaft in Gang gesetzt wird. Bauabfälle und Abbruchmaterialien werden nicht wie üblich in Abbaustätten oder Deponien abgelagert sondern für den erneuten Gebrauch aufbereitet. Dies spart gleich mehrfach Kosten. Zum einen müssen keine Kosten für den Transport des Bauschutts und teure Deponien ausgegeben werden, zum anderen werden Kosten für den erneuten Erwerb von Beton vermieden. Auch das energie- und emissionsintensive Herstellen von Zement kann eingeschränkt werden. Dennoch erfordert natürlich auch die Aufbereitung des Materials zu einem qualitativ hochwertigen und zuverlässigen Beton Zeit und Kosten, wobei diese langfristig, nach Aufwendung der Ersatzinvestitionen, sogar unter den herkömmlichen Beträgen liegen. Vor allem dann, wenn man einen Blick in die Zukunft wagt. Sinkt ein Angebot an endlichen Rohstoffen und die Nachfrage steigt aufgrund einer boomenden Bauwirtschaft, steigen auch die Preise dieses Rohstoffes zwangsläufig. Orientiert sich ein Unternehmen jedoch rechtzeitig um und setzt auf Wiederverwertung, so kann es sich zumindest ein Stück weit unabhängiger von Lieferanten und Preissteigerungen machen. Die Kosteneinsparungen unterscheiden sich dabei jeweils nach Art des Projektes und Häufigkeit der Nutzung der Recycling-Methode.

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Quelle: hastag.ch

Fazit

Auch wenn die Methode des Betonrecyclings hierzulande aufgrund von wenigen Erfahrungswerten und Kenntnissen bisher nur in Pilotprojekten genutzt wird, so kann der Thematik dennoch eine große Zukunftsfähigkeit zugesprochen werden. Veränderte Kundenbedürfnisse und umwelttechnische Ressourcenverknappung machen ein Umdenken in der Rohstoffnutzung notwendig. Ebenso spart die Verwendung des RC-Betons langfristig Kosten für das Bauunternehmen und letztendlich auch den Endabnehmer. Länder wie die Schweiz oder die Niederlande machen bereits heute vor, wie das Wiederverwerten von Beton ökonomisch und ökologisch erfolgreich genutzt werden kann und geben einen ersten Anstoß für weitere europäische Länder. Gerade in diesen beiden Staaten sind die Kiesvorkommen schon jetzt verschwindend gering, sodass die Gesteinskörnungen auf andere Weise gewonnen werden müssen. Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Deutschland ressourcenschonender Bauen muss – der RC-Beton bietet eine erste Möglichkeit dazu.

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