Qualitätssicherung am Bau – Teil 1

Die Baumängel auf deutschen Baustellen und die damit verbundenen Kosten befinden sich in einem stetigen Wachstum. So haben sich allein die Bauschadenskosten, sowie die Anzahl an Versicherungsschäden in Deutschland innerhalb von nur 10 Jahren verdoppelt, wie ein Bericht des Institutes für Bauforschung bestätigt. Und diese Kostensteigerungen haben nicht nur Folgen für die Bauunternehmer, die auftretende Mängel beseitigen müssen, sondern zugleich auch für den Endnutzer. Allein in Berlin sind die Preise für den Neubau von Wohngebäuden im Jahr 2016 um 2,5% zum Vorjahr gestiegen. Grund genug, um die Themen Qualitätssicherung und langlebiges Bauen nochmals genauer aufzugreifen und zu analysieren, welche Ursachen und Lösungen klassische und digitale Ansätze bieten, um nachhaltige und kostenreduzierte Strukturen zu etablieren.

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Schäden am Bau von 2009 bis 2013

Wie kommt es zu der immensen Zahl an Baumängeln- und kosten?

Die wohl größte Schwierigkeit auf jeder Baustelle liegt in der Vielfältigkeit und Individualität jedes Projektes. Meister, Bauleiter, Poliere oder Facharbeiter müssen sich nicht nur untereinander genauestens abstimmen sondern auch ihre Teameinheiten koordinieren. Entscheidungen müssen getroffen und kommuniziert, Aufgaben delegiert und überprüft werden. Und dies erfolgt kaum standardisiert, da ständig Anpassungen vorgenommen, spontane Abwägungen getroffen und äußere Einflüsse berücksichtigt werden müssen. Zuvor gemachte Pläne sind oft zu grob oder schließen Sonderfälle und den Umgang mit Hindernissen im Bauprozess nicht ein.

Vorkommnisse, wie Mängelbefunde werden gerade an regnerischen oder kalten Tagen meist nicht ausreichend dokumentiert oder zu spät kommuniziert. Je nach Wichtigkeit der Ereignisse kann dies schwerwiegende Folgen für den gesamten Bauverlauf haben. Eventuell müssen Materialien nachbestellt, Zusatzpersonal angefordert oder neue Maschinen gemietet werden. Werden die Mängel jedoch zu spät erkannt und behandelt, verzögert dies den Bauabschluss und das kostet Geld – In Form von Mietausfällen, Mängelbeseitigungskosten oder Gutachtergebühren.

Auch Produktivitätsverluste erhöhen die Kosten einer jeden Baustelle. Herrschen im Bauprojekt Hektik und Improvisation, so schleichen sich nicht nur gelegentlich kleine Fehler ein, sondern Baumaschinen werden auch unzureichend ausgelastet oder Mitarbeiter schaffen nicht ihr geplantes Tagespensum.

Neben den internen kleineren und größeren Hindernissen im Baustellenprozess bilden zudem auch externe Faktoren Risiken für zusätzliche Kosten. Zum einen ist es, der die Baubranche stetig belastende Fachkräftemangel, der zu Zeitverzögerungen oder Qualitätseinbußen führen kann. Zum anderen ist es aber auch die Vielzahl von Subunternehmen, die in einen gesamten Bauprozess mit eingeschlossen sind. Es muss Verlass auf die Lieferung der passenden Materialien und die Qualität der Arbeit sein. Haben unterschiedliche Firmen verschiedene Herangehensweisen und Standards, kann dies ebenfalls Mängel auslösen. Erschwerend hinzu kommen die immer strenger werdenden gesetzlichen Auflagen und das steigende Prozesskostenrisiko für private Bauherren.

Wie kann ein gutes Qualitätsmanagement Abhilfe schaffen?

Das Qualitätsmanagement (QM) beschäftigt sich im Wesentlichen damit, die Vorgaben und Qualitätsansprüche der Geschäftsführer oder obersten Projektleiter systematisch umzusetzen und dabei alle Teilprozesse und Teilhaber des Bauprojektes mit einzuschließen.

Um die ständig wechselnden Baustellenstandorte und projektspezifischen Anforderungen schon vorab kalkulieren zu können, gestaltet sich das QM sehr transparent und versucht die unterschiedlichen Gegebenheiten zu standardisieren.

Dafür ist es in erster Linie wichtig, die Bauqualität schon in der Planungsphase zu bestimmen und feste Vorgaben zu setzen. Diese sollten vollständig, fehlerfrei und eindeutig sein und realistische Terminvorgaben beinhalten. Ein besonders wichtiger Bestandteile dieser festgelegten Regeln sind vorgefertigte Muster. Diese helfen, Mängel oder fehlerhafte Lieferungen durch bereits vorgeschriebene Antwortmöglichkeiten standardisiert zu dokumentieren.

Wer Schwierigkeiten bei der Implementierung des passenden Qualitätsmanagements hat oder unternehmensuntypischere Projekte abwickelt, hat zudem die Möglichkeit, externe Beobachter für eine baubegleitende Qualitätssicherung zurate zu ziehen.

GrundsätzeQM

Die 10 wichtigsten Vorteile eines einheitlichen Qualitätsmanagements

  1. Mängel werden rechtzeitig erkannt und behoben
  2. Fehler werden so dokumentiert, dass aus ihnen gelernt werden kann
  3. Weniger Mängelansprüche in der Verjährungsfrist
  4. Eine zuverlässige und hochwertige Qualität
  5. Die hohe Qualität bildet ein positives Branding am Auftragsmarkt
  6. Eine nachhaltig verbesserte Kundenzufriedenheit
  7. Einheitliche Planung und Organisation fördert einen geregelten Ablauf
  8. Verbesserung aller Kommunikationsschritte eines Bauunternehmens
  9. Stärkere Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitsmotivation durch klare Vorgaben und eine geregelte Zusammenarbeit
  10. Kosten können über diverse Arbeitsschritte hinweg nachweislich eingespart werden

Fazit

Die Sicherung der Qualität auf der Baustelle ist entscheidend wichtig, um Probleme rechtzeitig erkennen, Kosten langfristig einsparen und Projekte fristgerecht beenden zu können. Die Einführung eines einheitlichen Qualitätsmanagements kann dazu beitragen diese Qualität zu erhalten und die Produktivität zu steigern. Dennoch können zusätzliche Software-Lösungen, Tools und Richtlinien helfen, Mängel noch zuverlässiger zu minimieren. Welche diese Lösungen im Einzelnen sind, wird im nächsten Artikel der klickrent Beitragsreihe untersucht.

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