Künstliche Intelligenz in Deutschlands Baugewerbe

Drei Wege wie künstliche Intelligenz der Baubranche hilft

Wer glaubt, dass künstliche Intelligenz eine Erfindung aus Science-Fiction Filmen ist, der irrt gewaltig. Lernende Computerprogramme werden in unserer Welt immer selbstverständlicher und übernehmen bereits heute einige Aufgaben, die die Arbeit der Firmen erleichtert. Drei davon möchten wir ihnen vorstellen.

Eine Definition der künstlichen Intelligenz?

Künstliche Intelligenz, oder kurz KI, beschreibt Computer, die in der Lage sind, eigene Schlüsse aus einem vorgegebenen Sachverhalt zu ziehen und selbstständig weitere Aktionsschritte in die Wege zu leiten. Das berühmteste Beispiel der früheren Geschichte ist der von Google entwickelte Supercomputer, der das komplexe Brettspiel Go gegen einen Profispieler mehrmals hintereinander gewann. Auch IBM hat mit Watson ein intelligentes Computerprogramm entwickelt, das in der Lage ist, komplexe Entscheidungen, wie die Eröffnung eines Bankkontos in der Funktion eines Bankberaters, vorzunehmen.

Die Geschichte der KI ist keine neue. Bereits vor über 80 Jahren begannen Wissenschaftler darüber nachzudenken, wie konkrete Anwendungsprobleme von Maschinen übernommen werden können. Einer der Vorreiter, Alan Turing, ein britischer Mathematiker und Informatiker baute während des Zweiten Weltkrieges einen Computer, der Funksprüche entziffern konnte. Aufbauend auf seinen Arbeiten, rückte das Thema zu einem Dauerbrenner unter Entwicklern und Wissenschaftlern auf. Bis heute arbeiten viele Wissenschaftler an Mitteln und Methoden, Maschinen das Denken zu ermöglichen. Zwar sind sie noch weit davon entfernt eine sogenannte starke KI, die den kompletten menschlichen Verstand mechanisieren kann, zu entwickeln, aber schwache KI, die einzelne Prozesse mechanisiert, sind bereits heute ein fester Bestandteil unseres Alltags.

Die künstliche Intelligenz von IBM
Die künstliche Intelligenz Watson des IBM-Konzerns | Quelle: Ben Hider, Getty Images

Kundenkontakt standardisieren mit KI

Vieles läuft in der Baubranche noch über den persönlichen Kontakt und lange Beratungsgespräche, bis die richtige Maschine gefunden ist. Der Zeitaufwand für Unternehmen ist groß, genauso wie der Mitarbeitereinsatz. Gerade große Baumaschinenvermieter oder Bauunternehmen müssen ein ganzes Kundencenter aufbauen, um den Bedarf an Beratungsgesprächen decken zu können. Künstliche Intelligenz bietet Unternehmen die Möglichkeit, diese Prozesse zu übernehmen und einheitlich zu gestalten.

Der bereits früher erwähnte Watson-Computer von IBM ist in der Lage, Aufgaben im Kundenservice zu übernehmen. Für die Baubranche könnte das bedeuten, KI-Programme mit den Maschinenparks zu verbinden, sodass Anfragen von Kunden direkt von der KI beantwortet werden können. Aufgrund des Zugriffs auf Maschinendaten und Verfügbarkeitsinformationen kann das Programm entscheiden, welche Maschine zu den beschriebenen Anforderungen des Kunden am besten passt.

Künstliche Intelligenz im Kundenservice kann auch schneller und umfangreicher auf Beschwerden reagieren. Intelligente Systeme wie Watson sind in der Lage, die Sprache inklusive Dialekten, Metaphern und weiteren Eigenheiten, zu analysieren und zu verstehen. Dadurch können sie selbständig auf die Anfragen von Kunden reagieren. Sie interpretieren die Wortwahl, leiten daraus die Stimmung des Kunden ab und können entsprechende Schritte einleiten. Die KI kann nach einem negativen Kundenerlebnis selbständig Maßnahmen, wie das Senden einer Entschuldigungs-Mail mit einem Gutschein für den nächsten Auftrag veranlassen. Je nach Stimmung des Kunden, kann Watson zum Beispiel selbst die Höhe des Betrages für den Gutschein festlegen oder seine Wortwahl dem Dialekt des Gegenübers anpassen. Mit der Einbindung solcher Programme in das Data-Management-System eines Unternehmens, um Prozesse für den menschlichen Kollegen zu ordnen und besseren Überblick zu gewährleisten, können vorher aufwendige Kundenservice-Aufgaben unkompliziert organisiert werden.

Bilderkennungsprogramm verändert das Flottenmanagement

Bilderkennungssoftware ist ein bedeutender Trend in der Digitalisierungsbranche. Die großen Technologiekonzerne, wie Google, Amazon oder Microsoft, arbeiten seit Jahren daran, KI-Programme zu entwickeln, die angezeigte Bilder eigenständig auswerten. Das Problem war lange Zeit, dass viele Bilder zu komplex für Computer sind und sie den Aufbau nicht nachvollziehen können. In den letzten Jahren hat sich auch hier viel getan – mit einem enormen Potenzial für die Baubranche. Im Jahr 2014 gelang es Google, mit einem Computerprogramm komplexe Bilder auszuwerten. Das Programm war ohne Hilfe von außen in der Lage, eine präzise Bildunterschrift zu liefern. Auch Facebook hat einen Algorithmus entwickelt, der Attribute in Bildern erkennt und diese dann segmentiert. Die Künstliche Intelligenz untersucht das Bild und vergleicht es mit anderen Bildern. Sie kann dadurch Muster erkennen und einzelne Objekte in Sekundenschnelle identifizieren. Der Vorteil von KI-Programmen ist, dass sie in der Lage sind, aus gesammelten Informationen zu lernen und deshalb zukünftige Arbeitsprozesse wesentlich schneller umsetzen können, als andere Programme, die bei jedem Arbeitsauftrag erneut beginnen, nach den richtigen Informationen zu suchen. Mittlerweile beschränkt sich diese Erkennung nicht mehr nur auf Fotos. KIs sind zunehmend auch in der Lage, ganze Videos zu analysieren und wichtige Informationen aus ihnen zu ziehen. Für Unternehmen birgt das große Potenziale. Lange Videos lassen sich dadurch auf wichtige Aussagen zusammenfassen, ohne dass ein Mensch sie gesehen haben muss.

Doch wie nutzt das Bauunternehmen? Eine Möglichkeit ist, dass durch das Fotografieren einer unbekannten Maschine, die KI feststellen kann, welche Maschine vor ihr steht. So öffnet sich nach der Analyse des Fotos, das Datenblatt der gesuchten Maschine. Auf großen Baustellen mit vielen Maschinen kann so schnell festgestellt werden, welche Maschinen gerade im Einsatz sind. Auch direkt in der Mietstation kann das Flottenmanagement so vereinfacht werden, indem beim Abschluss der Miete die Maschine fotografiert wird und das Programm die Nachricht an das System meldet. Gleichzeitig wird der Zustand der Maschine dokumentiert, der bei der Abgabe durch ein weiteres Foto durch die KI abgeglichen werden kann. Wenn man dieses System weiterdenkt, besteht auch die Möglichkeit, dass eine künstliche Intelligenz das Anforderungsprofil eines Kunden abgleicht und dementsprechend eine Wertung abgibt, ob die fotografierte Maschine, die richtige für die jeweilige Aufgabe ist.

Smarte Programme halten die Ordnerstruktur aufgeräumt

Die zunehmende Digitalisierung der Baubranche sorgt auch dafür, dass immer mehr Dokumente online zur Verfügung stehen. Damit die Mitarbeiter den Überblick nicht verlieren, ist es ratsam Data-Management-Systeme für die Arbeit im Unternehmen bereitzustellen. Doch auch in diesen kann es nach einiger Zeit unübersichtlich werden. In einer Branche, in der die schnelle Bereitstellung von Dokumenten, Bauplänen und anderen Informationen essentiell ist, ist es sinnvoll, auf zusätzliche technische Hilfe zurückzugreifen.

Die künstliche Intelligenz kann unter anderem selbst entscheiden, welche Dokumente nicht lokal gespeichert werden müssen, sondern in die Cloud verlagert werden, um Platz auf der Festplatte zu schaffen. KI-Programme können auch Empfehlungen geben, welche Dokumente gelöscht werden können, weil Sie für lange Zeit nicht benutzt wurden. Die KI ist, im Gegensatz zum Menschen, in der Lage, große Datenmengen in nur wenigen Sekunden komplett zu analysieren und Entscheidungshilfen für die Weiterverwendung anzubieten. Ein Unterschied zu herkömmlichen Programmen ist, dass die KI Dokumente lesen und verstehen kann und dies in seine Entscheidungen mit einfließen lässt. So werden alte aber wichtige Dokumente nicht zum Löschen vorgeschlagen, weil die KI die Informationen im Dokument versteht und sie als wichtig identifiziert.

Die Zukunft hat noch viel zu bieten

Wir nutzen heute erst einen Bruchteil des vorhandenen Potenzials, das uns KI bietet. In Zukunft werden intelligente Systeme aber immer bedeutender werden. In einer Zeit, in der wichtige Entscheidungen in wenigen Momenten getroffen werden müssen, führt der Weg klar zu künstlichen Intelligenz. Doch wenn wir diesen Weg gehen, spielen wichtige Aspekte eine große Rolle.

Wie schränken wir die Befugnisse von KI sinnvoll ein? Wie tief werden Systeme integriert, die strategische Entscheidungen treffen können? Wie können wir verhindern, dass KI die Oberhand in Unternehmen gewinnt, ohne zu vergessen, dass KI gestützte Entscheidungen durchaus auch positive Effekte auf ein Unternehmen haben können? Abschließende Antworten dazu gibt es noch nicht. Sie müssen aber auf der Agenda sowohl der Technologiekonzerne, als auch der Unternehmen, die KI verwenden, stehen und diskutiert werden.

Künstliche Intelligenz kann mit dem richtigen Maß und den passenden Einsatzgebieten für Unternehmen deutliche Vorteile bedeuten. Denn Prozesse, wie der Kundenkontakt, lassen sich bei einer Standardisierung auch gleichzeitig personalisieren. Das Potenzial von Systemen mit künstlicher Intelligenz sollte jedes Unternehmen in Zukunft beobachten, denn früher oder später werden Unternehmen um die Vorteile von solchen Programmen nicht mehr herumkommen.

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