Cloud Anwendungen – Segen oder Fluch für die Baubranche?

Laut einer Roland Berger Studie verbringen Bauprojektmanager bis zu 90% ihrer Arbeitszeit mit Kommunikation. Insofern beteiligte Akteure nicht auf einem Stand sind oder eine bestimmte Dateneinsicht fehlt, kann es zu Verzögerungen im Ablauf kommen. Auch wenn Baufirmen aktuell noch hauptsächlich auf Projektmanagement-Programme auf Desktop-PCs setzen, gewinnen mobile Cloud-Lösungen zunehmend an Bedeutung. Diese bieten den Vorteil, dass sie auch unabhängig von Einsatzort oder Arbeitsplatz genutzt werden können. Mobile Devices müssen also nicht nur zur Zukunft des Alltags auf Baustellen werden, sondern sollten auch im Jahr 2017 tägliche Gebrauchsgegenstände sein.

Laut des 2016er Unternehmsbarometers Digitalisierung der DIHK greifen 68% der befragten Unternehmen auf die Vorteile von Cloud-Anwendungen zurück. Dabei ist die Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche mit 91% deutlicher Vorreiter. Bei Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern nutzen 84 % die Cloud und damit deutlich häufiger als Unternehmen bis 20 Mitarbeitern. Hier liegt die Auslastung bei 63 %. Generell nutzt die große Mehrheit, nämlich 68 % der Unternehmen digitale Plattformen, 61 % vernetzen ihre Prozesse sowie Produkte und 56 % analysieren ihre Daten. Man sieht also, die Digitalisierung ist in den Unternehmen angekommen und die Durchdringung dieser digitalen Technologien schreitet voran.

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Quelle: Unternehmensbarometer der DIHK (2016)

Cloud Lösungen und die (IT)-Sicherheit

Dennoch, die Vorsicht und das Bedenken gegenüber der “neuen” Technik sitzt noch tief. 89% aller Befragten des Eco-Reports: IoT Future-Trends bestätigten die enorme Wichtigkeit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei der Auswahl einer geeigneten Plattform. Auch die bereits oben angesprochene Studie der DIHK bestätigt dies. 72 % fürchten die wachsenden Sicherheitsrisiken durch Digitalisierung. Bei einer Unternehmensgröße von mehr als 1.000 Mitarbeitern steigen diese Vorbehalte sogar noch. Hier sind es sogar 80 %, die Bedenken haben. Und die Problemlage verschärft sich zusätzlich mit der Einführung jeglicher technologischen Entwicklungen wie z. B. sozialen Netzwerken, Cloud Computing, mobiler Datennutzung, Smart Grids oder Industrie 4.0, da hier wiederum neue sicherheitsrelevante Fragestellungen für diese Unternehmen entstehen.

Auch die IT-Sicherheit ist ein großer Unsicherheitsfaktor. 40 % sind der Meinung, dass ihre Daten nicht sicher sind. Die Schere zwischen Großunternehmen und KMUs geht auch hier auseinander. Bei Großunternehmen sehen 51 % eine Problematik, bei Kleinunternehmen nur 27 %. Es fällt auf, dass mit zunehmenden Kenntnissen über die Technologien auch das Bewusstsein für Komplexität und Gefahren dieser zunimmt. Dies zeigt, dass neben der Vorantreibung von Zukunftsthemen auch Lösungen zur Aufklärung – wie die “Trusted Cloud”, also vertrauenswürdige Cloud Services für die Wirtschaft –  stärker verbreitet und angewendet werden müssen.

Auch Ansprechpartner bei Industrie- und Handelskammern können hier helfen. Veranstaltungsreihen, die Initiative “Deutschland sicher im Netz” und ein Zertifikatslehrgang, welches die IT-Sicherheit für Unternehmen schult, wurden zum Beispiel entwickelt.

Cloud-Lösungen und Datenschutz

Auch in Sachen Datenschutz gibt es offensichtlich Klärungsbedarf. Dieser wird sogar als Hemmnis für die Integration von Cloud-Lösungen angesehen. Diese Meinung vertreten 58 % aller Unternehmen und gar 72 % der Industrieunternehmen. Hier sind es vor allem die Fragen nach Dateneigentum und dem Ort der Datenspeicherung, die die Beteiligten beschäftigt. 
Mit zunehmender Qualität und Quantität der Datenverarbeitung, muss ein Datenschutzrecht die Interessen des Betroffenen und die Interessen von Unternehmen an der Nutzung von Daten noch final klären. Auch die EU-Datenschutz-Grundverordnung muss ihre Funktionsweise erst noch in der Praxis beweisen.

Cloud-Lösungen und bereits vorhandene gesetzliche Regelungen

Auch gesetzliche Vorgaben hemmen laut der DIHK Umfrage die Umsetzung der Digitalisierung in den Betrieben. Hier sind 84 % aller Befragten dieser Meinung. Dabei sehen 57 % der Unternehmen vor allem rechtliche Unsicherheiten als Hemmnis. Auch diesem Trend könnte man entgegenwirken, indem gesetzliche Anforderungen konkretisiert werden. Vor allem das IT-Sicherheitsgesetz steht hier im Fokus. Lösungen für Haftungsfragen müssen genauso erarbeitet werden wie die Ergänzung von Empfehlungen zu den bereits bestehenden Verpflichtungen für Anbieter von geschäftsmäßig betriebenen Webseiten

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Quelle: Unternehmensbarometer der DIHK (2016)

Technische Probleme bei der Umstellung auf Cloud-Lösungen

Neben den oben angesprochenen Herausforderungen und Hemmnissen gibt es noch ganz “banale” Probleme, mit denen vor allem Bauunternehmen zu kämpfen haben. Hier sind unter anderem die unzureichenden Breitbandanschlüsse zu nennen. 20 % sehen dies als Hinderungsgrund. Zusätzlich stellt es für 19 % ein Hindernis in der Datenauswertung dar. Problemstellung hier ist, dass viele Bauunternehmen auf dem Land angesiedelt sind. Große Baustellen benötigen eine Standleitung, wobei selbst diese Übertragungsrate manchmal nicht ausreichend ist. Auf kleineren Baustellen sind die Unternehmen auf das vorhandene Mobilfunknetz angewiesen. Wohl auch deshalb nutzen erst 52 % der befragten Bauunternehmen digitale Plattformen. Dies ist neben den oben genannten Problematiken auch auf die fehlenden technischen Standards und Schnittstellen zurückzuführen.

Die größte aller zu nehmenden Hürden ist allerdings, dass Bauunternehmen mit vielen Partnerunternehmen entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten müssen. Dies sind zum Beispiel Architekten, Handwerker, Trockenbauer und natürlich auch der Kunde. Eine Abstimmung zwischen den beteiligten Parteien ist essentiell für das Gelingen des Auftrags. Doch ohne gemeinsame Standards können die Vorteile der Digitalisierung nicht genutzt werden. Kosten- oder Fehlerreduzierung sind so für die Betriebe (noch) nicht möglich. Auch TecArt Geschäftsführer Christian Fischer bestätigt dies: “Viele Kunden bevorzugen noch den klassischen Kauf der Software bei Inhouse-Systemen. Herausforderung wird die Integration verschiedener Cloud-Dienste mit eigener Server-Technologie sein, wenn es um die Schaffung von Supply-Chain-Management geht.”

Vor allem kleinere Unternehmen sehen Probleme in der Umsetzung der digitalen Infrastruktur. Da sie oftmals in abgelegenen Orten zu finden sind, haben sie häufig nicht die Ressourcen, sich um diese Infrastruktur zu kümmern. Deshalb muss vor allem die Bundesregierung reagieren und möglichst schnell Glasfaser bis in die Gebäude hinein verlegen. Dabei geht es dann um die konsequente Planung, Förderung sowie Finanzierung dieses Projekts. Denn nur so können auch die ländlichen Regionen von der Digitalisierung profitieren.

Fazit 

Viele Unternehmen haben den ersten Schritt in die digitale Welt dort gewagt, wo der direkte Vorteil am deutlichsten erkennbar ist. Der zweite Schritt muss aber oftmals und vielerorts noch geschehen. Aufklärungsarbeit und Initiativen der Bundesregierung werden hier Abhilfe schaffen (müssen). Denn nur dann kann die Baubranche kontinuierlich vom Fortschritt durch Technik bzw. Digitalisierung profitieren.

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