4 Gründe, warum Bauunternehmen nachhaltig bauen sollten

Nachhaltiges Bauen – Teil 2

Nachdem im ersten Teil der Reihe die Bedeutung des nachhaltigen Bauens ausführlich behandelt wurde, blicken wir nun auf die Gründe, warum es sich lohnt, die Nachhaltigkeit im Auge zu behalten.

  1. Folgen des Klimawandels & Endlichkeit der Ressourcen

Eine wachsende Konsumgesellschaft und der steigende Wohlstand in Industrieländern wie Deutschland erfordert immer mehr fossile Energien und fördert damit die stetige Verknappung endlicher Ressourcen. Bedeutend ist dabei, dass allein der Gebäudesektor über alle Zyklusphasen hinweg 40% des gesamten Energieverbrauches in Deutschland ausmacht. Dies verdeutlicht, welche gewaltige Relevanz und Auswirkungen die Baubranche in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung hat. Hinzu kommen die langen Lebenszyklen der Gebäude. Die Verwendung langlebiger Baustoffe, wie Holz, wasserundurchlässigem Beton und der vermehrte Einsatz von Stahl in der Konstruktion von Außenwänden, ist gerade in Hinblick auf die zunehmende Verknappung von Ressourcen ein wichtiger Punkt des nachhaltigen Bauens. Diese haben eine Lebensdauer von über 50 Jahren und erfordern für gewöhnlich keinen Austausch in diesem Zeitrahmen. Die Verwendung eben jener Ressourcen verhindert spätere Reparaturarbeiten und den damit verbundenen erneuten Verbrauch von Ressourcen. Wird heute ein Bau nach nicht-nachhaltigen Maßstäben fertiggestellt, hat dies noch Auswirkungen auf die kommenden Jahrzehnte. Hier ist der Besitzer des Baueigentums von der Bereitstellung der gleichen Baumaterialien abhängig. Eine Garantie für die Fertigung von Baustoffen auch nach 10 Jahren gibt es nicht. Unter Umständen müssen dann umfangreichere Änderungen vorgenommen werden, als initial geplant. Dieser sogenannte Lock-In Effekt kann dann nur noch durch kostspielige und aufwendige Sanierungen durchbrochen werden.

Eine Frage kann zum Beispiel sein, inwieweit Baumaterialien beständig und umweltfreundlich sind oder ob sie nach einigen Jahren ausgetauscht werden müssen. Der Baustoff Asbest war bis in die 1990er Jahre ein beliebtes Material für Dachwellplatten oder diente als Dämmstoff und wurde als dieser vielfach verbaut. Nachdem die gesundheitsschädliche Wirkung des Baumaterials nachgewiesen wurde, musste vielerorts teuer und aufwendig saniert werden, um eine Gefahr für Mensch und Umwelt zu minimieren. Heute wird Asbest nicht mehr im Bau verwendet und nach den neuesten Standards gebaut, die bereits viel stärker auf nachhaltiges Bauen setzen.

  1. Demographischer Wandel & veränderte Wertekultur

Die Urbanisierung treibt die Menschen in die Städte und erfordert stetig neue Bauprojekte. Was zunächst durch eine starke Auftragslage positive Auswirkungen auf die Baubranche hat, könnte künftig durch den Platzmangel oder fehlende Ressourcen in Gefahr gebracht werden. Stichworte wie Flächeneffizienz und Recycling wichtiger Materialien werden also immer wichtiger.

Auch die Werte unserer Gesellschaft wandeln sich. So wächst das Bewusstsein für die Natur und Umwelt sowie der Wunsch, sich nachhaltig für den Erhalt der Diversität und Vitalität der Natur einzusetzen. Das Thema der Ressourcenverschwendung rückt ebenfalls in den Fokus der Gesellschaft und wird als ein wachsendes Problem für den Planeten betrachtet. Auch Unternehmen jeglicher Branchen wollen im Sinne der eigenen Imageformung und ihrer Corporate Social Responsibility ihren Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung nach außen tragen. Positives Beispiel für ein solches nachhaltiges Engagement ist unter anderem Jungheinrich, die ständig daran arbeiten, ihre Maschinen effizienter und umweltschonender zu gestalten. Mit ihren Bestrebungen sind sie der erste Hersteller für Flurförderfahrzeuge mit dem Umweltprädikat “Geprüfte Produkt-Ökobilanz”.

Die Baubranche sollte sich daher auf die veränderten Werte der Kunden einstellen und den neuen Bedürfnissen durch ein nachhaltiges Gebäudemanagement gerecht werden, dass sich an den Normen des Bundesministeriums orientiert, diese einhält und daran arbeitet, sich weiter zu verbessern.

  1. Einsparung von Kosten & Ressourcen

Wie eine Studie von “BauNetz” zeigt, hilft eine nachhaltige Gebäudeplanung langfristig Kosten einzusparen. Die Folgekosten für Energie, Heizung, Strom oder Warmwasser sinken in nachhaltig erbauten Gebäuden rapide (um bis zu 40%), sodass sich die anfänglich leicht erhöhten Errichtungskosten (von etwa plus 2%) schnell wieder amortisiert haben.

Auch die Erhebung des BBSR verdeutlicht, dass vor allem in der Erstellungs-, Nutzungs- und Abbruchphase immense Kosteneinsparungen erfolgen können. Notwendig ist dazu eine ganzheitliche Planung über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg. Können Bauunternehmen ihren Auftraggebern also schon jetzt Kosten der Zukunft ersparen und Ressourcen entsprechend einplanen, intelligent nutzen und zurückführen, so sichern sich eben diese Baufirmen starke Wettbewerbsvorteile. Aber auch der Einsatz moderner Maschinen, die über hohe Effizienzwerte verfügen, erspart Bauunternehmen langfristig Kosten. So sind neue Maschinen zumeist besonders energiesparsam konzipiert und in ihren Verbrauchswerten unschlagbar. Viele Komponenten sind so gebaut, dass sie nahezu wartungsfrei bleiben. Der Einsatz von beständigen Baumaterialien ist ebenfalls eine gute Möglichkeit Kosten zu sparen. Auch hier gilt, umso langlebiger Baustoffe sind, desto höher sind die Einsparungen auf lange Sicht. Außentüren aus Laubholz und Metall halten über 50 Jahre und sind damit beständiger als Nadelhölzer oder Türen aus Kunststoff.

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  1. Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit

Auch die Studie von Roland Berger macht es vielschichtig deutlich: Nachhaltigkeit ist neben der Digitalisierung der zentrale Trend der Entwicklungen der Baubranche. So zeigt die Studie, dass angefangen vom Spezialisten bis hin zu international agierenden Unternehmen alle Baufirmen von der Nachhaltigkeitsbewegung profitieren können. Ebenso wird deutlich, dass Unternehmen durch den Wertewandel der Gesellschaft, die Verknappung der Ressourcen, die Urbanisierung und die boomende Auftragslage gezwungen sind, neue Wege zu gehen, um den veränderten Wünschen nach Umweltbewusstsein und den veränderten Rahmenbedingungen nachkommen zu können. Will ein Bauunternehmen künftig am Markt bestehen, so kann sowohl eine Erweiterung des Angebotes als auch die Spezialisierung auf nachhaltiges Bauen zukunftssichernd sein.

Auch die Umstrukturierung bestehender Arbeitsprozesse verbunden mit einem ansteigenden Digitalisierungsgrad wird für die Wettbewerbsfähigkeit ausschlaggebend sein. Denn nicht nur die moderne Bauweise mit nachhaltigen Rohstoffen und Produktionsweisen wird für die Menschen immer wichtiger, sondern auch die moderne Arbeitsweise der Unternehmen mit Digital Devices und digitalisierten Prozessen. Zukünftig wird ein Zusammenspiel von Nachhaltigkeit und Digitalisierung immer entscheidender werden.

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Fazit

Die vier Gründe für nachhaltiges Handeln in der Baubranche ziegen, wie groß die Bedeutung von Green Building für die Zukunft sein wird. Die Punkte der Kostenreduzierung und der Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit werden für viele Unternehmen aktuell die wichtigsten Gründe sein, die einen Umstieg auf nachhaltiges Bauen begünstigen. Das Bewusstsein für Veränderungen muss sicherlich auch in vielen Bereichen der Baubranche erst noch geschaffen bzw. ausgebaut werden. Hier bleibt es die Aufgabe von mutigen Vorreitern die Vorteile und Notwendigkeiten von Green Building darzulegen und in der Branche zu etablieren.

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