Nachhaltiges Bauen als zukunftsorientiertes Geschäftsmodell der Bauwirtschaft

Nachhaltiges Bauen – Teil 1

Nachhaltiges Denken ist Konsumenten in Zeiten knapper werdender Ressourcen und steigender Rohstoffpreise schon lange ein Begriff. Gerade wenn es um das Thema Recycling, den verantwortungsbewussten Umgang mit Wasser & Energie oder den steigenden Bedarf an regionalen Produkten geht. Angefangen mit kleinen Kompromissen – wie der Reduzierung des Plastikverbrauchs – ist unsere Gesellschaft heutzutage immer bereiter, Investitionen in nachhaltige Kleidung, ökologische Lebensmittel oder kraftstoffarme bzw. elektrische Autos zu tätigen.

Da scheint es nur naheliegend, dass auch das eigene Haus oder der eigene Unternehmensstandort nachhaltig gebaut und dem ‘neuen’ Bewusstsein eines grüneren Lebensstils entsprechen soll. Gleicher Auffassung ist auch die Roland Berger Studie “Bauwirtschaft im Wandel”, die, wie bereits im klickrent Beitrag “Die drei wichtigsten Trends der Baubranche” erläutert, Green Building und Nachhaltigkeit als wesentliche Strömungen für die Zukunft der Baubranche sieht.

Was bedeutet nachhaltiges Bauen?

Der Begriff der Nachhaltigkeit entwickelte sich im 18. Jahrhundert aus der Forstwirtschaft heraus, um der unkontrollierten Abholzung der Wälder entgegenzuwirken und die ökologische Vitalität und Vielfalt erhalten zu können. Nachhaltig zu handeln bedeutet seither, dass die Bedürfnisse der Gegenwart die Bedürfnisbefriedigung der Zukunft nicht gefährden, also nur so viel genutzt wird, wie auch nachwachsen kann.

Transferiert man diese Erkenntnis auf die Baubranche, so meint nachhaltiges Bauen ganz allgemein gesprochen das Reduzieren bzw. Optimieren des Verbrauches von endlichen Ressourcen und Energie über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg. Dieser Zyklus hat seinen Ursprung in der Gewinnung der zum Bau benötigten Rohstoffe und endet beim Abriss. Zentrale Aspekte einer nachhaltigen Bauweise sind daher die Wiederverwertung von Stoffen, das Vermeiden unnötiger Transportkosten oder die Rückführung der Materialien in das natürliche System.

Da die Gebäude, die heute gebaut werden, die zukünftigen Jahrzehnte prägen und Ressourcen immer knapper werden, hat es sich auch das Bundesbauministerium zur Aufgabe gemacht, Nachhaltigkeit in den Alltag der Bauunternehmen zu integrieren. Dazu entwickelten sie sowohl einen Leitfaden als auch eine Bewertungsmethodik, um nachhaltiges Baumangagement zu fördern. 

haus_2019_marienfelde_fertigstellungansichten_p1030431_uba
Quelle: umweltbundesamt.de

 

Die Dimensionen des Nachhaltigen Bauens

Bezieht man sich auf die Definitionen des Bundesbauministeriums, so bestehen nachhaltige Bauweisen neben dem oben genannten allgemeinen Verständnis aus sechs konkreten Faktoren. Die ersten drei Dimensionen beziehen sich dabei auf den klassischen Nachhaltigkeitsgedanken, der dem Schutz von Umwelt, Kapital, Kultur und Gesundheit nachgeht. Die zusätzlichen drei Aspekte setzen sich gezielter mit dem Bauwesen auseinander und betrachten daher auch die technische Ausführung sowie die Planungs- und Bauprozesse.

Die ökologische Qualität

Die ökologische Qualität zeichnet sich durch die Optimierung des gesamten Lebenszyklusses eines Gebäudes in Bezug auf eine geringe Flächennutzung, dem sparsamen Verbrauchen von Energie, Wasser & Materialien, sowie der Förderung der Biodiversität aus.

Die ökonomische Qualität

Hierbei steht die Optimierung des Kapitaleinsatzes im Vordergrund. Im gesamten Bauprozess sollen Kosten effizient eingespart werden. Vor allem die Minimierung von Baufolgekosten und die Fokussierung auf eine konstante Wertstabilität und Flächeneffizienz sind dabei die zentralen Mehrwerte gegenüber nicht-nachhaltigen Bauweisen. 

Die soziokulturelle und funktionale Qualität

Dieser Qualitätsaspekt versucht die soziale und kulturelle Identität zu schützen. Dabei geht es nicht nur um optische oder architektonische Gegebenheiten, die die Identifikation der Menschen mit dem Gebäude hervorrufen können. Es ist vor allem der Schutz der Gesundheit, der im Fokus der Betrachtung liegt. So sollen die Raumtemperatur, der Schallschutz und die Beleuchtung so optimiert werden, dass Behaglichkeit erreicht werden kann.

Die technische Qualität

Hier ist vor allem von der fachlichen Ausführung die Rede. Ist das Gebäude standsicher gebaut, bedarf es eines geringen Instandhaltungsaufwandes. Wenn die Rückbaubarkeit und Rückführung der Materialien in den natürlichen Stoffkreislauf erfolgen kann, wird von einer hohen technischen Qualität gesprochen.

Die Prozessqualität

Die Prozessqualität setzt sich gezielter mit der Planungsphase vor dem tatsächlichen Baubeginn auseinander. Als eine der Basisfaktoren legt sie den Grundstein für den Grad der Nachhaltigkeit und beeinflusst damit alle anderen Dimensionen. Eine optimale Prozessqualität zeichnet sich daher durch die nachhaltige Planung des gesamten Lebenszyklusses aus.

Die Standortmerkmale

Auch wenn die Standortmerkmale keinen direkten Einfluss auf die Nachhaltigkeitsbewertung haben, so beeinflussen die Gegebenheiten vor Ort dennoch den Bauprozess. Die Einbindung des Gebäudes in die Infrastruktur muss dabei genauso berücksichtigt werden wie politische oder geografische Risiken.

csm_praesentation1_2ac548c626
Quelle: BBSR

 

Bewertungskriterien für nachhaltige Gebäude

Die Dimensionen des nachhaltigen Bauens erklären, welche Aspekte nachhaltige Gebäude verkörpern und geben Aufschluss darüber, welche Planungen und Optimierungen notwendig werden. Das Bewertungssystem versucht eine Benotung und Zertifizierung nach transparenten Methoden aufzustellen, die eine objektive Einschätzung möglich machen. Den Aspekten der ökologischen, ökonomischen, soziokulturellen sowie technischen Qualität werden dabei jeweils 22,5% Bedeutung beigemessen. Die Prozessqualität wird mit 10% bewertet. Lediglich die Standortmerkmale werden außen vor gelassen, da der Standort auf die Gebäudeplanung im Sinne der Nachhaltigkeit nur wenig Einfluss nimmt.

Es ergibt sich das folgende Bewertungssystem, in welchem zwischen goldenen, silbernen und bronze farbenen Zertifikaten unterschieden wird. Werden weniger als 50% der notwendigen Qualitätsmerkmale erfüllt, so gilt das Gebäude nicht als nachhaltig. Mit Gold zertifizierte Projekte sind beispielsweise das Gebäude des Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin oder das Büro-Gebäude “Haus 2019” (Siehe oberes Bild).

csm_noten_7663c19f30
Quelle: BBSR

Fazit

Insgesamt wird also deutlich, dass die Thematik des nachhaltigen Bauens ein äußerst aktuelles und ernstzunehmendes Thema für die Baubranche ist. Leitfäden, wie der des Baubundesministeriums, sollen dabei helfen, Nachhaltigkeit besser verstehen und umsetzen zu können. Die Relevanz von nachhaltigen Gebäuden wird künftig durch unterschiedlichste Gründe immer weiter zunehmen. Welche Gründe dies sind und welchen konkreten Nutzen Bauunternehmen aus einem nachhaltigen Gebäudemanagement ziehen, wird im zweiten Teil dieser Reihe thematisiert. Ebenso blicken wir auf Förderungsmaßnahmen, konkrete Umsetzungsmöglichkeiten und die Mehrwerte der Zertifizierungen.

1artboard-2

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s