Trends der Baubranche

Die drei wichtigsten Trends der Baubranche

Dass die Baubranche sich verändert, ist keine Neuigkeit mehr. Auch das 46. VDBUM Großseminar mit dem Leitthema “Die Zukunft als Chance” zeigte dies. Doch mit welchen Trends sieht sich die Branche in den kommenden Jahren konfrontiert und welche Auswirkungen haben diese auf die Arbeit auf den Baustellen?

Die voranschreitende Urbanisierung der Gesellschaft macht es notwendig, neue und innovative Ideen des Bauens, Planens und Gestaltens zu finden. Bereits heute leben knapp 75 Prozent der Menschen in Deutschland in Städten – Tendenz steigend. klickrent blickt auf die wichtigen Trends beim nachhaltigen Bauen – namentlich GreenTech -, zeigt Auswirkungen im Bereich “Smart Homes” und beleuchtet zusätzlich die zukünftig digitalisierte Baustelle.

Die wichtigsten Trends nach Verbreitung und Relevanz

Roland Berger Studie zu den Trends der Baubranche
Quelle: Roland Berger „Bauwirtschaft im Wandel. Trends und Potenziale bis 2020“

1. Green Tech – nachhaltiges Bauen für nachhaltige Städte

Die wachsende Bedeutung der urbanen Gegenden Deutschlands erfordert auch ein Umdenken in der Art und Weise, wie gebaut wird. Besonders dem schonenden Umgang mit Ressourcen und dem sparsamen Verbrauch verfügbarer Energie werden in den kommenden Jahren größere Stellenwerte beigemessen. Unter dem Stichwort GreenTech (deutsch: grüne Technologien) vereinen sich viele Ideen für ein nachhaltiges Bauen, das vor allem auf Langlebigkeit ausgelegt ist.

So wird dem GreenTech-Sektor für 2025 eine Marktgröße von 739 Milliarden Euro zugeschrieben. Da gleichzeitig der für Bauunternehmen relevante Anteil um knappe 50 % steigt (von 88 Milliarden Euro auf 162 Milliarden Euro), besitzt GreenTech Potenzial, den Anteil am gesamten deutschen Bauvolumen von 30% im Jahr 2014 auf rund 50% im Jahr 2025 zu steigern.

Ein Haupttreiber dieses Trends ist die Bundesregierung, die mit Energiesparverordnungen bis 2050 einen annähernd klimaneutralen Gebäudebestand erreichen will. Um dies zu erreichen, sind seit Januar 2016 höhere energetische Standards einzuhalten. Neue Gebäude des Wohnungs- und Nichtwohnungsbaus müssen nun 25 % niedrigere Primärenergiewerte erreichen. Neue Betonarten oder innovative Holzwerkstoffe werden den Absatz von herkömmlichen Baumaterialien demzufolge künftig schwerer machen. So geht der Trend beim Beton zum Beispiel in Richtung einer sich durch Bakterien selbstheilende Art, die in der Lage ist, Strom zu erzeugen. Als Hersteller oder Lieferant kann sich dann derjenige stark im Markt positionieren, wer diese Materialien schnell und im notwendigen Umfang liefern kann.

Gerade in Verbindung mit dem Ausstieg aus der Atomenergie und der damit verbundenen Energiewende, rücken GreenTech-Konzepte somit stärker in den Fokus von Bauunternehmen. Denn solche Baumaßnahmen senken häufig auch den Verbrauch des jeweiligen Objektes und verhindern so auch hohe Nebenkosten für spätere Bewohner.

Der Trend von GreenTech und GreenBuilding ist laut der Branchenstudie von Roland Berger eine Entwicklung von hoher Relevanz, der aktuell in der Baubranche noch zu wenig Beachtung findet. Da mit herkömmlichen Baumaßnahmen und -materialien die Baustandards für nachhaltige und energieeffiziente Städte nicht mehr realisierbar sein werden. Gerade in den Bereichen Energieeffizienz, nachhaltige Wasserwirtschaft und Mobilität wird hier ein zeitnahes Umdenken stattfinden müssen.

2. Smart Homes – das fertige Gebäude wird zur Datenbank

Gebäude, in denen die Lichter noch über den Lichtschalter ein- und ausgeschaltet werden, gehören bald der Vergangenheit an. Smart Homes, die in den USA bereits sehr erfolgreich sind, werden in den kommenden Jahren auch in Deutschland auf ein stärkeres Echo stoßen. Wer kompatible Geräte besitzt oder bereits bei der Bauphase Smart Home-Konzepte in das Gebäude eingearbeitet hat, kann seinen Alltag über das Smartphone steuern. Lichter, Heizungsanlagen, Jalousien, Türschlösser, aber auch Haushaltsgeräte wie Kühlschrank, Waschmaschine oder Herd können über solche Smart Home-Konzepte organisiert und gesteuert werden.

Für die Baubranche bedeutet das folgendes: Die Baustelle wird ein Platz stärkerer Technologisierung. Bei der Planung und Umsetzung von Gebäuden werden Smart Home-Konzepte direkt mit eingeplant. Aktuell muss zumeist mit hohen finanziellen Aufwänden nachgerüstet werden, wenn Haushalte diese Vorteile nutzen wollen. Da die Möglichkeiten für Smart Homes noch lange nicht ausgereizt sind, wird sich dieser Trend in seiner Umsetzung noch weiter entwickeln.

Es kann sich hier vor allem derjenige einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten, der in der Lage ist, diese Applikationen einzubauen. Immer mehr Bauherren werden von den Bauunternehmen erwarten, dass diese gesonderten Anforderungen umgesetzt werden können. Wer sich also hier früher als später in diesem Markt platziert, kann schon in dieser Anfangsphase wichtige Marktanteile gewinnen. Prognostiziert ist, dass bis 2020 in insgesamt 2,4 Millionen Haushalten eine Technologie zur Hausautomatisierung zum Einsatz kommen wird. Vor allem im Bereich der Serviceleistungen im Anschluss an die Installation der Anlagen – hier vor allem als technische Störungsdienste – ergeben sich für Bauunternehmen Chancen. Das prognostizierte Marktvolumen von sieben Milliarden Euro im Jahre 2025 sollte ein zusätzliches Argument für eine Ausrichtung als Smart Home Dienstleister sein.

Jährlicher Neubau und Bedarfsprognose für den Wohnungsbau in Deutschland bis 2025 (in Wohneinheiten)

Wohnungsbedarf Prognose
Wohungsbedarfsprognose bis 2025

3. Digitalisierung des Bauprozesses

Durch die Digitalisierung wird der Baubranche eine weitere Wettbewerbsdimension hinzugefügt. Wer hier die Möglichkeiten der Digitalisierung rasch und umfassend zu nutzen weiß, erzielt einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Der Trend zielt durch die schnellere Fertigstellung von Bauvorhaben und den gezielten Einsatz von menschlicher Arbeitsleistung vor allem auf die Reduzierung aktueller Kosten ab. Die intelligente „Baustelle 4.0“ ermöglicht eine Vernetzung aller Gewerke und Maschinen. Prozesse können so in allen Bauphasen optimiert werden. Dies führt letztendlich zu einer gesteigerten Produktivität und auch einer höheren Rentabilität.

Angefangen beim schon oft beschriebenen Building Information Modelling (BIM) geht dieser Trend aber auch weit über die Projektplanung hinaus. So spielen unter anderem Themen wie 3D-Druck eine wachsende Rolle im Bauprozess. Durch diese Druckverfahren lassen sich kleinste Bauteile, präzise und passgenau herstellen, die dann verwendet werden können, um vorher unmögliche Bauprozesse möglich zu machen. Besonders beim mobilen Baustelleneinsatz können die Arbeitsergebnisse mit Verfahren, wie dem 3D-Druck von Betonwänden, vereinfacht und schneller erzielt werden.

Ein weiteres Beispiel für die Digitalisierung des Bauprozesses ist der vermehrte Einsatz von Robotik auf Baustellen und im Fertigungsprozess von Arbeitsmaterialien. Diese haben den Vorteil, Aufgaben, für die Menschen Wochen brauchen oder körperlich nicht in der Lage sind, innerhalb weniger Tage zu erledigen. Wir berichteten bereits in einem früheren Artikel über Hadrian X, der ein Haus in nur zwei Tagen maurern kann. Das Unternehmen Max Bögl will ab Juli 2017 Wohnungen am Fließband fertigen. Autonome Maschinen, digitale Datenerfassung und der daraus resultierende Austausch dieser Daten zur Optimierung des Bauprozesses sind nur einige weitere Beispiele.

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Was die Zukunft dieses Trends noch mit sich bringt, hängt vor allem auch vom Erfindungsreichtum und Innovationsgeist der Bauunternehmen ab. Auch wenn größeren Unternehmen aufgrund ihrer Finanzkraft, des Know-hows oder dem vorhandenen Recruiting hier ein Vorteil zugeschrieben wird, können auch kleinere Unternehmen durch Spezialisierungen auf ein Teilbereich der Digitalisierung profitieren.

Es bleibt also weiterhin spannend…

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