Autonome Baumaschinen definieren den Bauprozess von Morgen – Hadrian X

Ein Roboter verändert das Bauhandwerk

Auf Baustellen überall auf der Welt sind sie ein fester Bestandteil im Arbeitsprozess. Maurer gehören zu den Urgesteinen des Baugewerbes. Sie waren schon immer da und sorgen dafür, dass Häuser in die Höhe schießen und Wände stabil stehen. Doch wie sieht es mit der Zukunft des Handwerks aus, dass auch durch die Technologisierung großen Veränderungen ausgesetzt ist? Das australische Unternehmen Fastbrick Robotics sorgt für ein Raunen in der Bauwirtschaft, denn es entwickelte einen vollautomatischen Maurer-Roboter, der auf den Namen Hadrian X hört. Was kann dieser Roboter genau und was bedeutet er für die Zukunft der Bauwirtschaft? Wir schauen uns den Roboter einmal genauer an.

Hausbau in nur zwei Tagen?

Es klingt nach einer Träumerei: der Startschuss zum Bau eines Einfamilienhauses fällt und zwei Tage später findet bereits das Richtfest statt. Was unmöglich klingt, ist für den Hadrian X kinderleicht. Der Roboter des australischen Unternehmens arbeitet selbstständig. Die für den Hadrian X modifizierten Bausteine werden in entsprechender Menge in den Speicher des Roboters eingeführt. Der Bauplan wird in Form eines BIM-Modells für den digitalen Maurer zugänglich gemacht. Sobald der Hadrian die benötigten Informationen besitzt, kann er mit der Arbeit beginnen.

Die Bausteine werden über ein Fließband, dass sich auf dem langen Arm des Hadrian befindet zum Werkzeug transportiert. Das Greifmodul fasst den Baustein und dreht ihn auf die Seite von der aus ein spezieller Klebstoff, der den Mörtel ersetzt, aufgetragen wird. Der Arm fährt den Baustein zur vorgegebenen Position und positioniert ihn passgenau. Der Prozess wiederholt sich bis das Grundgerüst des Hauses steht. Der Hadrian muss während des Hausbaus nicht seine Position verändern, denn dank des langen Arbeitsarmes erreicht er von einer Stelle das gesamte Bauareal. So kann der Hadrian X bereits in 48 Stunden ein kleines Einfamilienhaus bauen und das ohne eine einzige Pause machen zu müssen. Was eine einzige Maschine in nur zwei Tagen schafft, würde für ein gesamtes Team an Maurern vier bis sechs Wochen dauern. Fastbrick Robotics hat damit eine Weltsensation geschaffen, die das Bauhandwerk komplett verändern kann.

Brauchen wir bald keine Maurer mehr?

Wer den Hadrian sieht, könnte meinen diese Frage mit Ja zu beantworten. Doch so schnell ist die Antwort darauf nicht gefunden. Denn ganz ohne Hilfe geht es dann doch nicht. Trägerbalken an Fenstern oder Türen kann der Hadrian X nicht setzen; die Größe der Steine ist auf eine Maximalgröße festgelegt, weil Greifmodul und Fließband sonst nicht richtig arbeiten könnten. Solche Balken müssen also weiterhin von menschlichen Mitarbeitern erledigt werden. Auch bei der Verputzung kann der Hadrian keine Aufgaben erledigen. Hier wird auch weiterhin Fachpersonal benötigt. Der Hadrian X muss damit eher als eine Ergänzung zum bisherigen Maurerbetrieb gesehen werden und weniger als ein Austausch von Roboter und Mensch. Der Hadrian X soll in Zukunft das auf der Baustelle tun, was er am besten kann. Wände in einer möglichst kleinen Zeitspanne mauern und so den zeitaufwendigen Teil der Arbeit erledigen. Im idealen Zusammenspiel übernehmen Maurer die Detailarbeiten und Feinheiten, für die der Roboter nicht die notwendigen Fähigkeiten besitzt und konzentriert sich auf die Finalisierung des Bauprojekts.

Auch wenn der Maurer nicht auf der Baustelle verschwinden wird, gibt der Hadrian X einen interessanten Ausblick darauf, wie Roboter und digitale Baumaschinen die Arbeit auf der Baustelle nachhaltig verändern können. Das Schlüsselwort ist Aufgabenteilung. Körperlich anstrengende und zeitaufwendige Arbeiten können einfacher und schneller von der Maschine erledigt werden, sodass für die wichtigen Aufgaben der Maurer mehr Zeit bleibt.

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Der lange Arm des Hadrian X kann von einer Position aus alles bearbeiten (http://fbr.com.au/discover)

Chancen und Hindernisse

Der Hadrian X bietet eine Reihe von Chancen, die das Arbeiten auf Baustellen verbessern sollen. Die Verkürzung der Bauzeit ist dabei nur ein Punkt, der aus den vielen Vorteilen herausragt. Die Robotertechnologie des digitalen Maurers könnte auch auf andere Arbeitsbereiche übertragen werden, Dachdecker könnten in Zukunft vielleicht auch von diesen Unterstützermaschinen entlastet werden. Eine weitere Chance stellt die Steigerung im effizienten Umgang mit den Ressourcen dar. Durch die exakte Umsetzung der Bauvorgaben aus dem BIM-Modell kann der Hadrian X den genauen Bedarf von Bausteinen ermitteln und diese passgenau verarbeiten. Materialverschwendung kann somit auf ein Minimum zurückgedrängt werden. Die Chancen sind alle mit einer Einsparung an Kosten verbunden, die es den Bauunternehmen ermöglicht kosteneffizient und schnell zu arbeiten.

Mit den Chancen kommen die Hindernisse. Das Roboterprojekt der Australier hat in einem Entwicklungszeitraum von zehn Jahren sieben Millionen US-Dollar gekostet. Das Resultat kann sich sehen lassen, bisher ist aber noch fraglich wann der Hadrian X in Serie gehen wird und wie sich die Bauwirtschaft bis dahin verändert. Wie wir bereits in früheren Artikel berichteten steckt der Zustand der Digitalisierung, gerade in Deutschland, noch in den Kinderschuhen. Ohne eine digitale Infrastruktur auf der Baustelle werden es auch Roboter schwierig haben, sowohl in ihrer Arbeit, als auch in der Kommunikation des Baufortschrittes mit den menschlichen Partnern. Ohne BIM und den Zugang zu essentiellen Daten über eine mobile Schnittstelle zu der jeder Mitarbeiter auf der Baustelle Zugang hat, können moderne digitale Maschinen nur sehr umständlich Anwendung finden. Hier gilt es den Digitalisierungsprozess weiter voranzutreiben.

Was bleibt von Hadrian X?

Die Hadrian-Maschine von Fastbrick Robotics gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Baustelle. Sie wurde entwickelt, um die angespannte Lage auf dem australischen Häusermarkt zu entspannen indem Häuser schneller gebaut werden. Gerade unter diesem Gesichtspunkt könnte der Hadrian X ein interessantes Thema für die Zukunft bleiben. Wichtig wird auch sein die Aufklärung in Bauunternehmen so zu verbessern, sodass Roboter nicht als Bedrohung für die Abschaffung der Arbeit wahrgenommen werden, sondern als nützliche Zusatzwerkzeuge bei schwierigen bis gefährlichen Arbeiten verstanden werden. Dem Hadrian X kann hier als Paradebeispiel für die sinnvolle Verknüpfung von Mensch und Maschine eine Vorreiterrolle zukommen.

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