Digitalisierung richtig gemacht – die klickrent Serie

Teil II – Wie Digitalisierung die Baubranche verändert

Der erste Artikel unserer Serie “Digitalisierung richtig gemacht” beschäftigte sich ganz generell mit der Digitalisierung in Deutschland. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Digitalisierung sowie die Chancen, die dadurch für die Baubranche entstehen können.

Warum Wahrnehmung und Umsetzung nicht dasselbe sind

Die digitale Transformation sämtlicher Unternehmensprozesse ist eine unvermeidliche Veränderung für alle Industrien im 21. Jahrhundert. Viele Branchen haben dies erkannt, ihre Prozesse digitalisiert und verdanken ihre Umsätze dem digitalen Wandel sowie neuen Vertriebsmöglichkeiten und -konzepten. Gute Beispiele für neue Geschäftsmodelle dank Digitalisierung sind unter anderem die Musik- oder Mobilitätsindustrie. Digitale Musik hat eine ganze Industrie revolutioniert und erlebt bis heute einen enormen Bedeutungsgewinn. Dieser wird sich auch zukünftig weiter verstärken. Im Bereich der Mobilität haben digitale Mietkonzepte das Stadtbild vielerorts nachhaltig verändert. Car-Sharing, das einfach und schnell über das Smartphone funktioniert, hat den Zugang zur individuellen Mobilität und zum Auto- bzw. Mietwagenmarkt deutlich vergrößert. Die gesamte Autoindustrie investiert in die Entwicklung von digitalen Konzepten die ihr heutiges Geschäftsmodell komplett auf den Kopf stellen werden, angefangen bei der Elektromobilität bis hin zum autonomen Fahren. Kein Stein wird auf dem anderen gelassen.

Auch für die Baubranche ist die Digitalisierung eines der wichtigsten Themen, auch wenn sie hier noch ganz am Anfang steht. Laut einer Roland Berger Studie bewerten 93 Prozent der Akteure in der Bauindustrie den Einfluss, den die Digitalisierung auf ihre Prozesse haben wird, als hoch. Dies deckt sich mit der Bedeutung des Themas in anderen Schlüsselindustrien und dem Stellenwert im alltäglichen Leben. Trotzdem nutzen heute weniger als sechs Prozent der Bauunternehmen digitale Lösungen vollständig für die Planung und Durchführung von Projekten.

 

umsetzung-digitalisierung
Umsetzung der Digitalisierung in der Baubranche

 

Woher kommt der Unterschied zwischen der hohen Bedeutung des Themas und der noch sehr geringen praktischen Umsetzung digitaler Strategien? Für viele Akteure in der Baubranche ist ihr bisheriges, meist offline getriebenes Handeln noch sehr erfolgreich. Den Unternehmen geht es auch ohne weitreichende Digitalisierung gut, die Auftragslage der nächsten Jahre sieht vielversprechend aus. Oft sind auch fehlendes Wissen über den Umfang oder die Möglichkeiten digitaler Konzepte ein Grund für die mangelnde Digitalisierung des eigenen Geschäftes. Zumeist wird die Digitalisierung lediglich als Ergänzung oder Vereinfachung bestehender Prozess und  Abläufe gewertet und nicht als Chance für neue Prozesse oder Geschäftsfelder. Für die Baubranche, bzw. die Bauunternehmer, muss die Bedeutung der Digitalisierung  und die damit verbundenen Perspektiven, Wege und Aussichten attraktiver werden und darf nicht nur als ein unterstützendes Werkzeug für ein offline organisiertes Geschäft wahrgenommen werden. So wird das Mieten, die Angebotseinholung, der Preisvergleich per Telefon oder Flottenmanagement via Excel in Zukunft von digitalen Lösungen verdrängt werden.

Ein weiterer Grund für die schwache Digitalisierungsrate der deutschen Bauwirtschaft liegt an der Fokussierung auf einzelne Hebel wie, digitale Daten, Automatisierung, Vernetzung oder digitaler Kundenzugang. So wird die Automatisierung von Produktionsabläufen bei Baustoffherstellern als einzig anwendbarer Schritt der Digitalisierung betrachtet. Bauunternehmen konzentrieren sich stattdessen nur auf die digitale Planung von Bauprojekten, aber lassen die daraus resultierenden Daten häufig ungenutzt. Sie können sich kaum vorstellen, wie vernetzte und intelligente Maschinen die tägliche Arbeit auf der Baustelle (alleine) erledigen. Dabei ist es essentiell, dass alle vier Hebel der digitalen Transformation sinnvoll miteinander verknüpft werden, wenn man eine umfassende digitale Strategie erfolgreich umsetzen will.

Chancen digitaler Strategien für die Baubranche

Wo also steckt das Potenzial für die Digitalisierung der Baubranche? Entscheidend ist, das Bewusstsein zu schaffen, dass Digitalisierung in allen Bereichen der Wertschöpfungskette ansetzen und einen wichtigen Bestandteil darstellen sollte. Dabei muss jedoch deutlich zwischen den verschiedenen Teilbereichen der Baubranche unterschieden werden. Logistik, Produktion oder Beschaffung gehen mit individuellen Anforderungen an die Digitalisierung heran und brauchen dementsprechend auch eigene Ansätze und Konzepte.

kommu
Eine ungenutzte Chance: In vielen Unternehmen der Baubranche sind digitale Kommunikationsmittel noch lange kein Standard

 

Allein im Bereich der Baulogistik können umfassende digitale Strategien die Art zu arbeiten komplett verändern. Automatisierungstechnik ermöglicht eine einfache Organisation von Lagerhallen, Bestandskontrollen und Abläufen. So erkennt zum Beispiel Supply-Software den Kundenbedarf nach bestimmten Material und signalisiert dies den Mitarbeitern im Lager. Geräte und Arbeiter sind untereinander vernetzt, wodurch eine ständige Kommunikation zwischen Mensch und Maschine ein perfektes Zusammenspiel ermöglicht. Die entstehenden Daten können wiederum für die zukünftige Arbeit ausgewertet werden, um somit Reibungsstellen früher zu erkennen und diese zu beheben. Alle Prozesse laufen digital und jeder bleibt dank eines vernetzten Arbeitsumfeldes immer auf dem neuesten Stand des Arbeitsfortschrittes. Ähnlich wie in diesem Beispiel lassen sich viele weitere Teilbereiche der Baubranche digitalisieren. Die Unternehmen werden damit nicht nur effizienter, sie können auch flexibler und schneller auf Veränderungen reagieren und bleiben so auch langfristig konkurrenzfähig.

Digitale Ausschreibungen verändern den Weg zum Auftrag

Wie wichtig die Digitalisierung in Zukunft sein wird, zeigt die Veränderung in der Beauftragung. Denn bereits hier beginnt die Digitalisierung bestehende Modelle nachhaltig zu verändern. Digitale Ausschreibungen gewinnen stark an Bedeutung und werden in Zukunft den Standard für Bauvorhaben darstellen. Diese Ausschreibungen werden schon heute bewusst gefördert, weil sie ein höheres Maß an Transparenz schaffen und einfacher zu organisieren sind. Wer zukünftig bei Ausschreibungen nicht hinter der Konkurrenz zurückfallen will, muss sich dieser Entwicklung anschließen und seine Auftragsbeschaffung komplett in die digitale Welt verlagern.

Damit verbunden wird aber auch die Digitalisierung der Produktkataloge ein entscheidendes Kriterium für die Zukunftsfähigkeit deutscher Bauunternehmen sein. Nur wer seine Maschinen und Geräte online organisiert und somit in die Planung für ausgeschriebene Projekte miteinbezieht, wird langfristig gesehen einen Vorteil gegenüber offline getriebenen Unternehmen haben.

Effiziente Baustellen durch digitale Lösungen

Auch die Organisation von Baustellen birgt ein großes Optimierungspotential. Durch die Implementierung von spezieller Software können Materialien dann geliefert werden, wenn sie wirklich gebraucht werden. So lässt sich Lagerung und Umräumung vermeiden, Zeit sparen und Arbeitskraft effizienter nutzen. Über Smartphone und Tablet können schnell und einfach Materialien angefordert werden und zum Beispiel ein freier LKW für den Transport benachrichtigt werden.

Darüber hinaus ist eine Ortung von Maschinen und Geräten mit Hilfe von GPS jederzeit möglich. Das sorgt nicht nur für eine höhere Sicherheit, sondern auch für eine bessere Übersicht über den Maschinenpark. Genauso kann heute die Planung von Baustellen und Arbeitsprozessen bereits digital gestaltet werden; mit einem hohen zeitlichen Gewinn.

Vermessungen können durch 3D-Laser schnell und präzise durchgeführt werden. Das Baugrundstück wird bei einem solchen Vorgang nicht einfach nur vermessen, sondern auch nach Wasserleitungen oder Stromkabeln gescannt. Die entstehenden Daten können in Planungstools einfliessen und so eine genauere Konzeption ermöglichen. Cloud-basierte Angebote sorgen dafür, dass alle Beteiligten immer den selben Informationsstand besitzen und Änderungen im Ablauf für alle zugänglich kommuniziert werden.

BIM und schon heute selbstverständlich?bim

Wenn man von den Chancen einer digitalisierten Baubranche spricht, kommt man um das Thema Building Information Modeling (BIM) gar nicht herum. Bereits seit 2014 empfiehlt eine EU-Richtlinie die Nutzung dieser Software als Kriterium für die Vergabe von öffentlichen Aufträgen. In vielen europäischen Ländern ist BIM schon Pflicht. Und auch in Deutschland soll ab 2020 die digitale Planung von öffentlichen Bauvorhaben Standard sein. Doch die Verbreitung der Software in Deutschland ist aktuell noch eher gering. Nur 29 Prozent arbeiten bereits mit BIM-3D Modellen. Durch das Verfahren können zukünftig Fehlplanungen vermieden werden, da bereits im vornherein die digitale Simulation eine bessere Koordination des Bauvorhabens ermöglicht.

Die Bedeutung von BIM variiert in der Wahrnehmung der Branchen stark. Schuld ist zum einen die fehlende Aufklärung über die Möglichkeiten digitalisierter Bauplanung, aber auch die fehlende, in erster Linie digitale Infrastruktur, die zur Umsetzung notwendig ist. Unter den Architekten ist das Bewusstsein für BIM deutlich stärker ausgeprägt als bei Baufirmen. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt aber auf der Hand: Eine stärkere Planungssicherheit und -genauigkeit, Effizienzsteigerung und Kostensenkung unter Einbezug aller Beteiligten Parteien auf der Baustelle.

Die Zukunft ist digital

Die deutsche Baubranche muss sich zukünftig stärker mit der Digitalisierung auseinandersetzen, Wissen über innovative Prozesse erlangen und dieses gewonnene Wissen konsequenter umsetzen. Auch wenn es vielen Unternehmen heute noch ohne fortgeschrittene Digitalisierung gut geht, wird das nicht weiterhin so bleiben. Konkurrenten aus Amerika und Asien treiben bereits heute digitale Konzepte stärker voran, als die deutsche Baubranche. Die Roland Berger Studien zur Digitalen Transformation und der Digitalisierung der Baubranche zeigen, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbei führt. Deshalb muss die Baubranche die vier Hebel der digitalen Transformation konsequent und durch alle Ebenen hinweg umzusetzen. Nur wer frühzeitig die Trends erkennt und in die Planung und Unternehmensstruktur miteinbezieht, kann in Zukunft weiter am Markt bestehen.

Wie diese Zukunft aussieht, wird im nächsten Artikel der Reihe näher beleuchtet werden. Dort wird es im speziellen um Zukunftstrends, welche die Baubranche in den kommenden Jahren verändern werden, gehen.

1artboard-2.jpg

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s